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Am 21. Oktober erscheint SCHROTTEN! auf DVD, Blu-ray und Digital. Der neue Film des Oscar®-nominierten Regisseurs Max Zähle spielt in der idyllischen Kleinstadt Celle in Niedersachsen. Mit seinen knorrigen Figuren, inspiriert vom echten Leben wahrer Schrotthändler, definitiv ein Film mit Kultcharakter. In vielen ländlichen Gegenden gibt es sie, die Schrotthändler, die mit ihren Transportern durch die Wohngebiete tingeln. Sie sammeln Schutt, Metalle, Elektrogeräte, kurz ... Schrott!


Die bürgerliche Gesellschaft begegnet den fliegenden Händlern oft mit Misstrauen, das aus alten Vorurteilen resultiert. Die in Celle ansässigen Schrotthändlerfamilien sind Nachfahren jener Vagabunde, die in der vorindustriellen Zeit mit Kutschen und Pritschenwagen durch die Dörfer zogen, um alte Lumpen und Knochen zu sammeln und diese zu verkaufen.

Max Zähle weiß von seinem persönlichen Bezug zu diesem Milieu zu berichten: „In dem Landkreis in Niedersachsen, in dem ich aufgewachsen bin, gehörten fahrende Schrotthändler zum Straßenbild, die über die Dörfer fuhren und alles Mögliche einsammelten, was die bürgerlichen Haushalte so aussortiert hatten. Als Kind habe ich ganze Sommer auf dem Schrottplatz meines Freundes Marcel, Spross eines solchen Schrotthändlerclans, verbracht.“

Nach vielen Jahren nahm Zähle zu seinem Freund aus Kindheitstagen wieder Kontakt auf. Obwohl sich Marcel mit einer Banklehre augenscheinlich von diesem vermeintlich „schwierigen Milieu” emanzipiert hatte, war er doch wieder als umherfahrender Schrotthändler tätig. Auf Zähles Frage nach Marcels Entscheidung, antwortete dieser so einfach wie einleuchtend: „Familie!“ „Jede Familie hat ihren eigenen Sog, ihre eigenen Gesetze“, so Zähle weiter. „Der Sog bei den Schrotthändlern ist der starke familiäre Zusammenhalt gegen Jahrhunderte alte Ausgrenzung und Anfeindung, die tiefe Verankerung in ihren Traditionen.“

Innerhalb dieser geächteten, multiethnischen Gruppe entstand ein Bedürfnis nach Verständigung ebenso wie nach Geheimhaltung. So griff man auf das Rotwelsch zurück, die Geheimsprache der Nichtsesshaften, die sich in Deutschland bis ins 12./13. Jahrhundert zurückverfolgen lässt – und bis in die heutige Zeit gehalten hat. Zahlreiche Wörter haben Eingang in die allgemeine deutsche Umgangssprache gefunden. „Baldowern“, „Kohldampf“ und „Schmuh“ sind heute so geläufig, wie auch die Begriffe „Bulle“ und „Polente“ für die Ordnungshüter.

Das Rotwelsch wurde ergänzt durch eine Reihe geheimer Zeichen, die sogenannten Gaunerzinken. Wie das Rotwelsch selbst dienten auch sie dazu, die Absicht ihrer Benutzer vor Außenstehenden zu verbergen, gleichzeitig stifteten sie aber auch eine gemeinsame Identität. Noch heute werden die Gaunerzinken als geheime Markierungen verwendet. Die Augen offen halten sollte daher, wer etwa solche Zeichen in seiner Umgebung an Hauswänden und Gärtenzäunen entdeckt: 

Nach der Industrialisierung wurde der Stoffhandel vom Metallhandel abgelöst, das fahrende Volk wurde sesshaft und brachte es mit dem, was andere als Schrott bezeichneten und wegwarfen, über die Jahre zu einigem Wohlstand. In den letzten Jahren hat sich das Blatt allerdings gewendet: stetig steigenden Rohstoffpreisen ließen die die Schrottis anfangs zwar noch über die unerwarteten Mehreinnahmen frohlocken. Bald jedoch beanspruchten die Städte und Gemeinden zunehmend ihren Teil vom Kuchen.

„Der Staat hat den Wert des Altmetalls erkannt und Gesetze erlassen, die es den Schrotthändlern fast Unmöglich machen, ihrem Gewerbe nachzugehen“, erläutert Zähle die aktuelle Situation. „Einige der Schrotthändler, die ich im Laufe der letzten fünf Jahre bei meiner Recherche kennengelernt habe, mussten in dieser Zeit das Schrotten aufgeben. Sie führen einen Kampf ums nackte Überleben – und trotz dem sind mir diese Menschen mit wahnsinnig viel Aufrichtigkeit, Humor, Selbstironie und Leichtigkeit begegnet.“

Vor diesem Hintergrund erzählt SCHROTTEN! den Überlebenskampf der Schrotthändlerfamilie Talhammer; von der Planung eines letzten wahnwitzigen Coups, um ihre Heimat, den familiären Schrottplatz, zu retten; von der Annäherung Mirkos, der diesem Leben vor Jahren für eine bürgerliche Existenz abgeschworen hat und im Laufe der Geschichte feststellen muss, dass Heimat eben doch viel mehr ist als nur ein Ort.